Die Geschichte der GTP e.V.
Von der wegweisenden Initiative im Jahr 1994 bis zum etablierten Fachverband von heute: Begleiten Sie uns auf einer Zeitreise durch drei Jahrzehnte Pionierarbeit für eine gerechte, kultursensible und sprachlich barrierefreie Gesundheitslandschaft.
Der Ursprung: Die Gründung des AKTPT
Die Geschichte der GTP beginnt mit der Gründung des Arbeitskreises für türkischsprachige PsychotherapeutInnen (AKTPT) im Jahr 1994, der als unabhängiger Zusammenschluss von PsychotherapeutInnen entstand, die ein gemeinsames Interesse an der Arbeit mit MigrantInnen aus der Türkei hatten. Die Gründung erfolgte parallel zur Entstehung der Deutsch-Türkischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und psychosoziale Gesundheit (DTGPP). Beim Antalya-Kongress fand das erste Kennenlernen statt, und es entwickelte sich das Bedürfnis nach einem intensiven Austausch unter FachkollegInnen.
Ziel des AKTPT war es, einen fachlichen Zusammenschluss von PsychotherapeutInnen im deutschsprachigen Raum zu schaffen, die aufgrund ihrer Sprach- und Kulturkompetenz besonders in der Lage sind, mit MigrantInnen aus der Türkei zu arbeiten. Der Arbeitskreis war ursprünglich in 9 Regionalgruppen organisiert, die sich regelmäßig zum kollegialen Austausch, zur gegenseitigen Supervision und zur Koordinierung ihrer Tätigkeit im psychosozialen System vor Ort trafen. Der AKTPT verstand sich als basisdemokratisch und unabhängig von übergeordneten Organisationen. Die Mitgliedschaft war frei, und die Gruppen arbeiteten auf freiwilliger Basis zusammen.
Kennzeichen des AKTPT
- Psychotherapie im weitesten Sinne
- Doppelsprachigkeit
- Regionale Autonomie
- Hohe Professionalität
- Jahrestreffen des Arbeitskreises mit dem Fokus auf Fortbildung
- Vernetzung vor Ort und auf Länderebene
- Überregionale Vernetzung über eine Homepage mit Jobbörse und Mitgliederverzeichnis
Von der Arbeitsgemeinschaft zum Verein
Im Laufe der Jahre wuchs der Arbeitskreis, und es entstand der Wunsch nach einer strukturell stärkeren und formalisierten Organisation. Im März 2007 fand das 13. Jahrestreffen des AKTPT in Hannover statt, bei dem beschlossen wurde, den Arbeitskreis in einen Verein zu überführen, um so eine tiefere Durchdringung und größere Reichweite zu erzielen. Als Konsequenz wurde im Juni 2007 die Gesellschaft für interkulturelle Psychotherapie und psychosoziale Beratung (GIP e.V.) gegründet.
Die Vereinsgründung ermöglichte es, die Ziele der Organisation auf eine breitere Ebene zu heben und mehr Einfluss auf die gesundheitspolitische Diskussion zu nehmen. Am 31. Mai 2008 wurde durch die Mitgliederversammlung beschlossen, den Namen des Vereins in „Gesellschaft für türkischsprachige Psychotherapie und psychosoziale Beratung (GTP e.V.)“ zu ändern.
Selbstverständnis und regionale Arbeit
Der GTP e.V. verfolgt weiterhin das Prinzip der regionalen Autonomie und organisatorischen Unabhängigkeit. Zu Beginn waren es vor allem die Regionalgruppen in Hamburg und Berlin, die sich durch ihre Mitgliederstärke und ihre organisierte Arbeitsweise auszeichneten. Im Laufe der Zeit kamen Gruppen in NRW, Bayern, Hessen und Baden-Württemberg hinzu. Jede Regionalgruppe orientiert sich an den gesundheitspolitischen Gegebenheiten ihrer Region und zieht daraus notwendige gesundheitspolitische Schlussfolgerungen.
Der Arbeitskreis und der Verein waren stets darauf bedacht, die praktischen Seiten der beruflichen Tätigkeit zu berücksichtigen, wobei interkulturelle Aspekte der psychotherapeutischen Arbeit eine zentrale Rolle spielten. Der GTP e.V. fördert die interkulturelle Fortbildung, unterstützt wissenschaftliche Arbeiten zu interkulturellen Themen und setzt sich für die Verbesserung der Versorgung von MigrantInnen im Bereich der psychischen Gesundheit ein.
Ziele des GTP e.V.
Hauptziel ist die Förderung der Zusammenarbeit und Vernetzung von bilingual tätigen PsychotherapeutInnen und BeraterInnen — insbesondere von türkisch-deutschsprachigen Fachkräften —, um die psychosoziale Versorgung von MigrantInnen in Deutschland zu verbessern. Besondere Schwerpunkte liegen in:
- der Entwicklung und Ausgestaltung interkulturell valider Verfahren in der Diagnostik und Behandlung von MigrantInnen,
- der Förderung von Forschung und Lehre zur psychosozialen Versorgung von MigrantInnen,
- dem Angebot von Fort- und Weiterbildungen, einschließlich Kursen, Workshops, Supervision, Kongressen und Tagungen,
- der Einwirkung auf die Gesetzgebung, um die psychosozialen Belange von MigrantInnen zu berücksichtigen und die Integration zu fördern,
- der Unterstützung der Mitglieder im beruflichen Kontext und der Betreibung einer Homepage für die Mitglieder.
Aktuelle Forderungen des GTP e.V.
- Die Zulassung von PsychotherapeutInnen, die über die sprachliche und fachliche Kompetenz verfügen, MigrantInnen bedarfsgerecht zu behandeln.
- Die verstärkte Ausbildung in interkultureller Kompetenz in allen Psychotherapierichtungen.
- Die Aufnahme von interkultureller Kompetenzbildung in die Studiengänge und Ausbildungen aller Gesundheitsberufe.
- Die interkulturelle Öffnung und Einstellung von Fachkräften mit Migrationshintergrund in psychosoziale, psychotherapeutische und psychiatrische Einrichtungen.
- Eine politische Haltung, die MigrantInnen als Bereicherung der Gesellschaft anerkennt und ihre Teilhabe und Mitverantwortung fördert.
Die Geschichte der GTP e.V. ist eine Erfolgsgeschichte von Engagement und Zusammenhalt. Aus einem unabhängigen Arbeitskreis, der im Jahr 1994 gegründet wurde, hat sich ein starkes Netzwerk entwickelt, das die psychosoziale Versorgung von MigrantInnen in Deutschland maßgeblich beeinflusst hat.
Der Verein bleibt seiner ursprünglichen Vision treu — interkulturelle Fachkräfte zu fördern, zu vernetzen und die interkulturelle Kompetenz in der psychotherapeutischen Praxis weiterzuentwickeln.